Der Holsteiner Stamm 2067 gehört zu den traditionsreichen und besonders leistungsstarken Stämmen der Holsteiner Zucht. Ursprünglich in Dithmarschen beheimatet, hat sich seine Genetik längst über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus verbreitet. Heute findet man Nachkommen dieses Stammes in zahlreichen Zuchtgebieten und auf den internationalen Turnierplätzen. Seine Geschichte ist geprägt von gekörten Hengsten, erfolgreichen Zuchtstuten und einer bemerkenswerten Zahl hochklassiger Springpferde.
Besonders bedeutend ist der ursprüngliche Zweig der Familie Witt. In diesem Teil des Stammes 2067 finden sich zahlreiche Pferde, die sowohl züchterisch als auch sportlich Maßstäbe gesetzt haben. Auffällig ist dabei die große Zahl erfolgreicher Nachkommen der Stute Salome v. Goldschmied, die bei Reimer Witt zuhause war und zu eine zentrale Rolle innerhalb dieses Zweiges spielte.
Alraune – ein wichtiges Bindeglied
Eine besondere Bedeutung innerhalb des Stammes kommt der Capitol I-Sacramento Song xx-Tochter Alraune (Reimer Witt, Wellinghusen) zu. Sie gilt als Begründerin mehrerer herausragender Pferde und verbindet damit bedeutende Zweige des Stammes miteinander.
Aus Alraune stammen unter anderem Toni Hassmanns Landstreicher v. Landgraf I (Jürgen Hattebuhr, Burgwedel) und die beiden Stuten Elraune v. Silvester und Galaune v. Caletto I, mit der die Familie Gerken aus Hammor in den 90er Jahren den Grundstein für ihre heutige Zucht legte und den Erfolg des Holsteiner Stammes 2067 ausbaute. Vor ihrem Wechsel nach Hammor bekam Elraune bei Jürgen Hattebuhr noch ein Fohlen von Corrado I: Cattani, der mit Geier Gulliksen bei den Olympischen Spielen 2008 zum Bronze-Team der Norweger gehörte, das später wegen Dopings eines Teamkollegen die Medaille verlor.
Elraune – die Großmutter von LT Holst Freda
Im Jahr 1999 paarte Hans-Joachim Gerken eine bei ihm geborene Tochter der Elraune, Palaune v. Lavaletto, mit Casall an. Einige Jahre später verkaufte er die daraus entstandene Stute an die Familie McIntosh nach Neuseeland, die sich zu dieser Zeit ein Gestüt aufbaute. Unter dem Namen LT Holst Andrea errang dieses Pferd Erfolge bis 1,60 Meter – und brachte in Verbindung mit Colman die Doppel-Bronzemedaillen-Gewinnerin der jüngsten Weltmeisterschaften in Aachen, LT Holst Freda (Harry Charles/GER), hervor. Über die Jahre hinweg behielt Hans-Joachim Gerken sechs weibliche Nachkommen der Elraune bei sich in der Zucht. Eine ihrer Töchter, Olraune v. Cambridge, paarte der Züchter unter anderem mit Cassini I an. Aus dieser Stute wiederrum befinden sich heute eine Cornet-Tochter und zwei junge Casall-Stuten in seinem Besitz, auf die Gerken große Hoffnung für die Zukunft setzt.
Coolio – ein Nachfahre der Elraune
Ebenfalls auf Elraune geht ein weiteres Pferd zurück, welches bei der jüngsten Weltmeisterschaft in Aachen zu den Medaillenträgern gehörte. Die Rede ist von Coolio v. Casalito-Quidam de Revel (Martina Wirtz, Hohenzieritz). Mit Marcus Ehning gehörte der Holsteiner zur Deutschen Equipe und trug maßgeblich zum goldenen Mannschafterfolg bei. Und auch in seinen Adern fließt das Blut der Elraune, denn sie ist seine vierte Mutter. „Mit Coolios Mutter Anka, die wir bei Jürgen Hattebuhr kauften, stiegen wir damals in die Zucht ein“, erinnert sich Martina Wirtz noch gut. Über eine Holsteiner Fohlenauktion fand der Casalito-Sohn den Weg nach Bayern. Als junges Pferd entdeckte die Familie Marschall den Wallach und Sohn Marcel förderte ihn bis auf internationales Niveau, bevor Marcus Ehning ihn übernahm.
Mit Unchained v. Uriko hat Coolio außerdem einen Halbbruder, der unter amerikanischer Flagge ebenfalls bis 1,60 Meter erfolgreich ist und den Stamm 2067 in die Welt trägt.
Denver – auf den Spuren von Elraune
„Er war ein großrahmiges und eher unscheinbares Fohlen“, erinnert sich Pamela Brüning (Dinklage) an die Geburt von Denver v. Diarado-Quantum. Die gebürtige Dithmarscherin kaufte Denvers Mutter Tarida (Hans-Jürgen Gerken, Hammor) – übrigens eine Tochter der Olraune – einst, nachdem sie sie schon einige Jahre bei ihrem Vorbesitzer als Tierärztin betreut hatte. „Als er mir sagte, dass er die Stute verkaufen möchte, schaute ich mir ihr Pedigree genauer an und war begeistert. Vor allem Capitol I und Sacramento Song xx fand ich besonders spannend“.
Denver stellte sie zweijährig bei der Vorauswahl zur Holsteiner Körung vor. „Sein Springen war schon damals sehr gut, aber er war einfach kein Hengsttyp“, so Pamela Brüning weiter. Und so wurde er kastriert, sportlich gefördert und qualifizierte sich zum Bundeschampionat. „Denver war nie spektakulär, aber er hat immer einen guten Job gemacht“. Das überzeugte schließlich auch Guido Klatte und Maximilan Lill, die ihn im Alter von sechs kauften. Siebenjährig stellte Betram Allen (IRL) den Holsteiner, dessen dritte Mutter ebenfalls die berühmte Elraune ist, in Youngster-Touren vor, bevor er zunächst in die USA und dann zu Michael Greeve (NED) wechselte. Das Paar nahm bereits im vergangenen Jahr an den Europameisterschaften teil und ging nun in Aachen bei WM für Niederlande an den Start.
Und auch in dieser Zuchtstätte wird der Holsteiner Stamm 2067 in die nächste Generation geführt: Pamela Brüning hat zwei Vollschwestern zu Denver in ihrem Besitz.
Stamm 2067 auf der internationalen Bühne
Auch Out of the Blue SCF v. Verdi-Cassini I gehörte bei den Weltmeisterschaften zu den erfolgreichen Vertretern des Stammes 2067 und belegte mit dem amerikanischen Team im Nationenpreis den vierten Platz. Diese beim BWP registrierte Stute geht ebenfalls im fallenden Pedigree auf Stammstute Salmone v. Goldschmied aus Dithmarschen zurück.
Der Holsteiner Stamm 2067 steht damit beispielhaft für das, was einen erfolgreichen Leistungsstamm auszeichnet: eine lange züchterische Tradition, eine starke Stutenbasis und eine außergewöhnliche Konstanz im internationalen Sport – lange verwurzelt im Land zwischen den Meeren. Die Liste mit herausragenden Sportpferden und gekörten Hengsten ist lang. Namen wie Landstreicher v. Landgraf I (Toni Hassmann/GER), Cazaro v. Chambertin (Nisse Lüneburg/GER), Con Spirito v. Contender (Theo Muff/SUI), Con Caletto v. Contender (Mandy Goosen/GBR), Canturano I und II v. Canturo, Cattani v. Corrado I (Geir Gulliksen/NOR), Lordon v. Lord (Luciana Diniz/BRA), Vita v. Carinjo (Katharina Offel/GER) oder aber United Pleasure v. United Way (Lucas Wenz/GER) dokumentieren die jahrzehntelange sportliche Bedeutung des Stammes.
Mit Pferden wie Coolio, LT Holst Freda, Out of the Blue SCF und Denver zeigt sich zugleich, dass diese Erfolgsgeschichte keineswegs abgeschlossen ist. Im Gegenteil: Der Stamm 2067 sorgt auch heute auf höchstem internationalem Niveau für Furore.
Fotos: Janne Bugtrup, Eva Kristin Struve, Julia Rau, Werner Ernst, Maximilian Schreiner