Hengsthaltung

Infos von der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH

Casall Ask – die Lebensgeschichte eines Weltpferdes

Erstellt von Carolin Tassius am Mittwoch, 17.5.2017

18 Jahre ist Casall Ask alt. Und noch immer ist er topfit. Es könnte keinen besseren Zeitpunkt geben, ihn nun aus dem Sport zu verabschieden. Da sind sich der Holsteiner Verband und Rolf-Bengtsson einig. Nach dem Stechen der Global Tour in Hamburg am Samstag, den 27. Mai 2017, gegen 17.30 Uhr wird Casall ein letztes Mal durch den Parcours galoppieren . Wir würden uns freuen, wenn Sie dabei sind, und dem erfolgreichsten Holsteiner Hengst der letzten Jahre "Auf Wiedersehen" sagen!

Als Fohlen entdeckten Fiete Mehrens und Detlef Reimer Hennings Casall Ask im Stall von Wilfried Thomann in Drelsdorf im Kreis Nordfriesland. Zwei Jahre gingen ins Land – und der Junghengst kam zur Vorauswahl für die Holsteiner Körung 2001. Beim ersten Freispringen wurde Norbert Boley, der damals wie heute die Geschäfte der Holsteiner Hengsthaltung leitete, auf den jungen Casall aufmerksam. „Mit Reimer Hennings sen. hatte ich zuvor schon viele gute Geschäfte gemacht. Und so fragte ich Fiete Mehrens und Reimer Hennings, ob sie den zweijährigen Hengst an den Verband verkaufen würden“, erinnert sich Norbert Boley. Die Besitzer antworteten mit „Ja“, unter der Voraussetzung, dass man sich über den Preis einig werde. Und der war für einen Zweieinhalbjährigen nicht unerheblich, sodass Norbert Boley sich für die Entscheidung die Meinung seiner damaligen Vorstandsmitglieder Breido Graf zu Rantzau und Hans-Werner Ritters einholte. Als Casall auch diese beiden erfahrenen Pferdekenner von sich überzeugen konnte, wechselte er in den Besitz des Holsteiner Verbandes. 

„Bei der Körung lief zunächst alles gut. Das Pferd präsentierte sich sehr gut an der Hand und erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen“, erzählt Norbert Boley. Doch dann folgte der Tag des Freispringens in Neumünster. „Am Ende hat er dort eigentlich nur einen einzigen seiner Qualität entsprechenden Sprung gemacht. Und ich befürchtete insgeheim, dass er vielleicht doch nur ein teurer Wallach ist“, so Boley weiter. „Zum Glück hatte die Körkommission die überzeugenden Leistungen der Vorauswahlen nicht vergessen. Das Körurteil fiel demnach positiv aus. Diese erste große Hürde hatte Casall also genommen.
Es folgte eine „ganz gute Hengstleistungsprüfung“, bevor es im Alter von fünf Jahren dann so richtig für ihn losgehen sollte. Doch dann bereitete der Hengst den Verantwortlichen des Holsteiner Verbandes, allen voran natürlich Norbert Boley, ziemliches Kopfzerbrechen: „Mit Gunnar Röer hatte er einen sehr guten Reiter. Dennoch stellten sich nicht die Entwicklung ein, die wir uns alle erhofft hatten.“ Nach einiger Zeit kam die Frage auf: Was machen wir mit diesem Hengst, von dem wir alle uns so viel erhofft haben?

 Und dann kam Bengtsson
Zu diesem Zeitpunkt, am Ende von Casalls fünftem Lebensjahr, nahm zum ersten Mal der Reiter in seinem Sattel Platz, der ihn zu all‘ diesen unvergesslichen Erfolgen führen sollte: Rolf-Göran Bengtsson. „Das war damals der Vorschlag von Breido“, weiß Boley. Es ging dabei in erster Linie um sein Urteil, eine Standortbestimmung. Denn die Meinung und Erfahrung des Schweden war schon immer eine wichtige Unterstützung für den Holsteiner Verband. Rolf-Göran Bengtsson hatte „gleich das richtige Gefühl für Casall“. Und er sagte, dass er ihn gerne reiten würde. Seitdem sind Casall und Bengtsson ein Team. Ein Team, zu dem aber auch noch jemand gehört. Nämlich Casalls Pflegerin Celia Rijntjes, die sich seit seinem ersten Tag im Stall in Breitenburg um den Hengst kümmert.
Die Fortsetzung dieser Geschichte ist in der ganzen Welt bekannt. Die erste internationale Platzierung folgte 2006 in Wiesbaden. In diesem Jahr bekam Casall auch seinen ersten Namenszusatz „la Silla“. In einem Sponsorenvertrag war der sportliche Einsatz des Hengstes, der fortan Casall la Silla hieß, geregelt. Diesen Namen trug er so lange bis Rolf-Göran Bengtsson die Kooperation mit dem dänischen Gestüt Stutteri Ask einging.

2008 gelang der Durchbruch
Zwei Jahre später gelang der große Durchbruch mit den Siegen in den Großen Preisen von Aarhus und Falsterbo. Von da an mischten Casall und Rolf-Göran Bengtsson in fast allen wichtigen Springen der Welt vorne mit: Hamburg, Monte Carlo, Lyon, s’Hertogenbosch, Doha, Chantilly, Basel, London, Rom, Valkenswaard und Paris seien an dieser Stelle nur stellvertretend genannt. An 39 Springen der Global Champions Tour hat er teilgenommen, neunmal gewonnen und nur dreimal hat er es nicht in den zweiten Umlauf geschafft. Überhaupt war die Global Champions Tour für den Holsteiner, der mit dem Namenszusatz Ask viele seiner ganz großen Erfolge feierte, ein gutes Pflaster. Nachdem er bereits in 2014 Platz zwei und in 2015 Platz drei in der Gesamtwertung belegte, gelang dem Paar 2016 der ganz große Erfolg, als er nicht nur im finalen Großen Preis in Doha, sondern auch in der Gesamtwertung der Global Champions Tour die Weltspitze des Springsports hinter sich ließ.
Nicht unerwähnt dürfen selbstverständlich die Mannschaftsbronze-Medaille auf der EM in Herning sowie der vierte Platz im Einzel bei den Weltmeisterschaften in Caen. Unendlich fortsetzen ließen sich die sportlichen Erfolge von Casall und Rolf-Göran Bengtsson an dieser Stelle. Dabei vergessen werden darf aber eines nicht: Casall hat sich nicht nur selbst über mehr als zehn Jahre im internationalen Sport bewiesen. Auch seine Nachkommen tun dies mittlerweile, sodass er nicht selten schon gegen sie in Global-Springen angetreten ist. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen verabschiedet sich nun ein Weltpferd mit 18 Jahren topfit aus dem internationalen Sport, der elf Jahre lang seine große Bühne gewesen ist. Und auch wenn er selbst nun nicht mehr dabei ist, ist er nicht vergessen. Dafür sorgen seine zahlreichen Nachkommen, die längst auf dem Weg sind, in die züchterischen und sportlichen Fußstapfen ihres Vaters zu treten.

Im Rahmen des Deutschen Spring- und Dressur-Derbys in Klein Flottbek werden acht Casall-Fohlen am Donnerstag, den 25. Mai um circa 17.15 Uhr versteigert. Vielleicht tritt ja eines dieser qualitätvollen Holsteiner Fohlen einmal in die großen Fußstapfen von Casall Ask.

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