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Nachrichten vom Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e. V.

Holsteiner Verband trauert um Hans Günter Winkler

Erstellt von Donata von Preußen am Dienstag, 10.7.2018

Im Alter von 91 Jahren ist Hans Günter Winkler in Warendorf verstorben.

Fünf olympische Goldmedaillen, sieben olympische Medaillen insgesamt, zwei Weltmeistertitel und 105 Nationenpreiseinsätze – keine Frage: Hans Günter Winkler war eine einzigartige Persönlichkeit im Springsport und weit darüber hinaus. Er machte den Leuten Mut. Nach dem zweiten Weltkrieg war da plötzlich wieder jemand, dem man 

Romanus_Ramzes_Heinzelmann_Hans_Guenter_Winkler_Werner_Menzendorfzujubelte – und zwar in der ganzen Welt. „Es war immer eine Ehre für mich, für Deutschland an den Start zu gehen“, betonte er stets.

Seinen ersten ganz großen internationalen Erfolg feierte der erfolgreichste Springreiter aller Zeiten mit einem Holsteiner: Auf Orient (Titelbild) v. Heino-Nenndorf (Claus Thormählen, Neuendorf) holte er sich 1954 in Aachen den Weltmeistertitel. Mit Romanus (Bild links) v. Ramzes-Heinzelmann (Anke Schuldt, Moorhusen) gewann Hans-Günter Winkler EM-Bronze 1961 in Aachen und ein Jahr später in London. 1972 war es Torphy v. Reinald xx-Meisterspringer (Fritz Westphal, Rickling), der unter ihm zu Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen in München sprang. Vier Jahre später – in Montreal – gab es Mannschaftssilber für das Paar. Doch das Pferd, mit dem Hans Günter Winkler Sportgeschichte geschrieben hat, war Halla, die er als „eine Mischung aus Genie und irrer Ziege“ beschrieb.  Mit der Hessenstute Halla v. Oberst erreichte Winkler sportliche Unsterblichkeit: Bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm erlitt Winkler im ersten Umlauf des Nationenpreises einen Muskelriss in der Leiste. Aber er ritt weiter und sicherte Deutschland den einzigen Nullfehlerritt des Tages: Gold für die Mannschaft und Einzelgold für Halla und Winkler: „Das Wunder von Stockholm“. Halla und Winkler wurden Deutsche Meister, Derbysieger, Weltmeister und erneut Olympiasieger. Mit sieben weiteren Pferden sammelte er ebenfalls Championatserfolge: bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.


Am 13. Juli 1986 ritt er seine letzte Ehrenrunde in Aachen und verabschiedete sich nach rund 35 Jahren aus dem aktiven Sport. HGW übernahm gemeinsam mit Herbert Meyer das Amt des Bundestrainers, war Equipechef bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988. Ende 1988 wurde Winkler Leiter des DOKR-Springstalls in Warendorf. 1991 gründete er im Alter von 65 Jahren eine neue Firma: HGW-Marketing. Er veranstaltete Turniere, warb Sponsoren und war als Berater in der Wirtschaft tätig. Fast nebenher führte der Vater von zwei Kindern zudem mit seiner vierten Frau, der 2011 tödlich verunglückten Amerikanerin Debby, einen Turnierstall in Warendorf.

Bei aller Zielstrebigkeit hat Winkler immer über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut. So hat er beispielsweise Fördermaßnahmen für junge Springreiter ins Leben gerufen wie das HGW Nachwuchschampionat und den Goldenen Sattel. Für seine „herausragenden Verdienste um den Pferdesport“ wurde Winkler mit dem FN-Ehrenzeichen in Gold mit Lorbeer, Olympischen Ringen und Brillianten sowie dem Reiterkreuz in Gold ausgezeichnet, er erhielt das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und gewann zweimal die Wahl zum Sportler des Jahres und die Wahl zum Sportler des Jahrzehnts. Dies ist nur ein Auszug aus der Liste seiner Auszeichnungen, der stellvertretend erklärt: Hans Günter Winkler war der wohl engagierteste, einflussreichste und erfolgreichste Pferdemann seiner Zeit.

fn-press/dvp

Fritz_Thiedemann_und_Hans_Guenther_Winkler

Fritz Thiedemann (links) und Hans Günter Winkler (rechts)

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