Nach 32 Jahren als Zuchtleiter und Geschäftsführer des Verbandes der Züchter des Holsteiner Pferdes legt Dr. Thomas Nissen Ende 2020 seine Ämter nieder und geht in den Ruhestand. Im Rahmen der 50. Holsteiner Körung und Elite-Auktion in Neumünster wurde er verabschiedet.

Dr. Thomas Nissen wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schleswig-Holstein auf. Nach dem Abitur absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre und danach nahm er das Studium der Agrarwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel auf und promovierte schließlich im Jahr 1986 zum Thema „Stutenleistungsprüfung und Fruchtbarkeit beim Holsteiner Pferd“ bei Prof. Dr. Ernst Kalm am Institut für Tierzucht und Tierhaltung. Im Anschluss war er zwei Jahre lang im Kieler Landwirtschaftsministerium als Referendar tätig, bevor er 1988 mit dem zweiten Staatsexamen als Abschluss, die Nachfolge von Gerhard Gramann als Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes antrat. Dr. Nissen war ein Befürworter des gezielten Einsatzes von Fremdbluthengsten, insbesondere von englischen Vollblütern und französischen Vererbern, wodurch die Veredlung und Modernisierung des Holsteiner Pferdes maßgeblich beeinflusst wurde. Die Reform der Hengstselektion, wozu die Wandlung von der staatlichen zur Verbandskörung sowie die verschiedenen Umstellungen der Hengstleistungsprüfungen gehörten, war ein Schwerpunkt seines überregionalen Einsatzes. Mit der Neu-Etablierung der Verbandskörkommission, der Entwicklung eines neuen Stuteneintragungssystems sowie der Einführung der Stutenleistungsprüfung hat Thomas Nissen neue Maßstäbe gesetzt.

Ein gefragter Berater
13 Jahre lang war er WBFSH-Vizepräsident. Der zur Verabschiedung aus dem Norden Dänemarks angereiste Präsident, Jan Pedersen, ernannte Dr. Nissen aufgrund seiner Verdienste im Weltzuchtverband zum Ehrenmitglied der World Breeding Federation for Sporthorses. Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist er stets ein gefragter Gesprächspartner und Berater zu aktuellen Debatten und Entwicklungen, unter anderem war er an Konzepten zur Änderung von Verbandsordnungen und Neuerungen in der Hengstleistungsprüfung beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Zuchtleiter und Geschäftsführer des Holsteiner Verbandes ist Dr. Nissen stets an vielen wissenschaftlichen Forschungsprojekten beteiligt. Seit 1983 vermittelt er im Rahmen eines Lehrauftrages sein Wissen zum Thema Pferdezucht an Studenten der Kieler Universität und betreut Masterarbeiten und Promotionen.

Anlässlich der emotionalen Verabschiedung, die Harm Sievers moderierte, konnte – aufgrund der Corona-Situation – nur eine begrenzte Zahl an Freunden und Weggefährten nach Neumünster kommen. Viele Worte des Dankes und der Anerkennung richteten die Laudatoren an Dr. Nissen. Worte wie „Kompetenz, Weitblick, Loyalität, Verlässlichkeit, Freundlich- und Menschlichkeit“ fehlten in keiner Ansprache. Und auch die Pferde durften natürlich nicht fernbleiben. Stellvertretend für die unzähligen Holsteiner, die der scheidende Zuchtleiter während seiner Karriere begleitet haben, kamen die Zuchtheroen Casacadello I, Calido I und Casall in die Bahn.
Noch bis zum Jahresende hat Dr. Thomas Nissen das Amt des Zuchtleiters und Geschäftsführer des Verbandes inne. Dem Holsteiner Pferd bleibt er auch weiterhin verbunden – so hat er bereits im Vorfeld signalisiert, dem Verband auch weiterhin beratend zur Seite zu stehen. Allerdings soll in Zukunft mehr Zeit für die Familie und Hobbys wie zum Beispiel Oldtimer-Ausfahrten oder Schwimmen bleiben.