Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e. V.

Nachrichten vom Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e. V.

15 Minuten mit Dr. Nissen über die neue Struktur, den Brand &  die Zukunft

Erstellt von Carolin Tassius am 02.03.17 09:21

Zuchtleiter und Geschäftsführer des Holsteiner Verbandes in Kiel, Dr. Thomas Nissen, über sein erstes Resümee in Sachen Strukturreform, über den Schenkelbrand und Überlegungen zur Holsteiner Markenkennzeichung.

Das erste Jahr nach der großen Strukturreform ist geschafft. Wie lautet Ihr bisheriges Resümee aus der Sicht des Zuchtleiters?

"Die Reform ist der absolut richtige Schritt für die Zukunft unseres Verbandes. Die Anforderungen und Aufgaben innerhalb der komplexen Strukturen des Verbandes haben in der Vergangenheit gezeigt, dass eine Aufteilung in die drei Geschäftsbereiche nötig war. Diese Reform bringt nicht nur für das Hauptamt eine klare Aufgabenzuordnung, sie entlastet auch das Ehrenamt. Die Zuständigkeiten sind klar definiert und Abgrenzungen sind deutlicher geworden.

Im ersten Jahr hat sich jeder für seinen Teil bemüht, die Reform umzusetzen, was schon in vielen Bereichen gut geklappt hat. Ganz wichtig ist für alle Verantwortlichen und für unsere Mitglieder, dass sie die Notwendigkeit und die Vorteile dieser Veränderungen erkennen und mithelfen, sie zu "leben". Nur dann wird die Reform ein Erfolg. Das für mich oberste Ziel dabei ist die Unabhängigkeit und Neutralität von Zuchtentscheidungen und das durch die jetzt faktische Trennung der Wirtschaftsbereiche von der Arbeit des Zuchtverbandes deutlich wird. Mit den zuständigen Vorstands- und Zuchtausschussmitgliedern konnten im ersten Jahr nach der Reform zielorientiert wichtige Projekte diskutiert und bereits auf den Weg gebracht werden."

Nach wie vor wird über den Schenkelbrand diskutiert. Welche Konsequenzen hätte der Wegfall des Brandes ihrer Meinung nach für die deutsche Pferdezucht? Welche für Holstein im Speziellen?

"Fest steht, dass uns das Deutsche Tierschutzrecht noch bis einschließlich 2018 den Schenkelbrand nach heutiger Vorgehensweise erlaubt. Ab 2019 ist das Setzen eines Brandzeichens nur noch mit einer Schmerzausschaltung beim Pferd (Fohlen) erlaubt. Mit der Frage, wie eine Schmerzausschaltung beim Fohlen aussehen kann, haben wir uns in den letzten Jahren intensiv befasst. Es gab bereits Vorversuche mit verschiedenen Präparaten, wobei wir immer wieder auf den Wirkstoff "Lidocain" zurückkamen, mit dem man in der Humanmedizin bei Lokalanästhesie auf der Haut erfolgreich arbeitet. Jetzt gilt es, ein Präparat zu finden, das im veterinär-medizinischen Bereich eine Zulassung hat und die notwendige Dosierung des Wirkstoffes aufweist. Es müssen dann über ein Gutachten Versuche zur Schmerzausschaltung beim Brennvorgang noch durchgeführt werden. Wenn uns dieser Nachweis gelingt, hätten wir ein geeignetes Präparat und könnten bei sachgerechter Anwendung weiterhin unser Brandzeichen setzen. Würde der Schenkelbrand entfallen, entstehen Nachteile durch die fehlende "aktive Kennzeichnung", d.h., auch der Züchter/Besitzer kann sein Pferd nur mit Hilfe eines Transponderlesegerätes identifizieren. Dazu muss er immer das Pferd anfassen, um das Lesegerät am Hals platzieren zu können. Außerdem fehlt uns ein entscheidendes Kennzeichen der Rasse, was für die erfolgreichen Deutschen Zuchten auch das Markenzeichen ist. Die Unterscheidung der Herkunft kann dann nur über den Pass erfolgen. Dieser Verlust würde uns Holsteiner in Deutschland bei der bestehenden Rassenvielfalt besonders hart treffen. Rechtzeitige Überlegungen zum Ausweichen der Markenkennung wie z.B. über ein "Präfix" oder "Suffix" beim Namen unserer Holsteiner Pferde könnten für Ersatz sorgen."

Welche Schlagzeile würden Sie gern in zehn Jahren über die Holsteiner Zucht lesen?

"Holsteiner Springpferde sind in der Weltspitze immer noch die Nummer EINS!"

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