Am 14. März war Franke Sloothaak zu Gast beim Holsteiner Verband. Der Weltmeister und Olympiasieger hat im Rahmen einer Trainingseinheit mit fünf Hengsten der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH und deren Reitern moderne Trainingsmethoden demonstriert. Im Anschluss daran haben wir ihn zu seinen Eindrücken befragt.

Sie haben fünf ganz unterschiedliche Hengste trainiert. Vom vierjährigen Youngster bis hin zum s-erfolgreichen Routinier. Welche Eindrücke haben die Pferde bei Ihnen hinterlassen?

Franke Sloothaak: „Zunächst einmal muss ich sagen, dass es immer ein Risiko ist, ein öffentliches Training mit Hengsten durchzuführen. Besonders im Frühjahr können sie hormonell bedingt abgelenkt und übermotiviert sein. Aber Corfu de la Vie, Keaton, Amber, Barcley und Caracho haben super mitgemacht und vieles sehr gut angenommen. Der vierjährige Corfu zum Beispiel hat sehr viel von seinem Vater Cumano. Vor allem das Vermögen. Aber auch eine gute Einstellung und die nötige Intelligenz, die wir heute im Sport brauchen. Dazu kommen gute Bewegungsabläufe, die Grundvoraussetzung für vieles ist, was später abgefragt wird. Das gleiche gilt für den Kannan-Sohn Keaton. Selten habe ich einen derart typvollen und schönen Kannan-Nachkommen gesehen. Er hat einen sehr beweglichen Körper – keine Selbstverständlichkeit bei diesem Blut – und kann sich sehr gut bewegen. Keaton muss lernen, sich noch mehr zu präsentieren und er will etwas mehr gefordert werden als andere. Dann hat er auch Spaß an der Arbeit. Über seine Qualität als Springpferd gibt es keinen Zweifel.“

Und wie haben Ihnen die etwas routinierteren Hengste gefallen?

Franke Sloothaak: „Jeder Hengst für sich hat seine eigenen Vorzüge. Wenn ich an Amber denke, fallen mir sofort die Begriffe Schnellkraft, Rittigkeit und Frequenz ein. Er ist ein absolut cleveres Sportpferd mit Genen, die sonst auch im Dressurviereck zum Zuge kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es in Holstein Stuten gibt, die sehr gut zu Amber passen. Habe ich eine Stute, der Kampfgeist, Abdruck oder Schnelligkeit fehlen, könnte er hier den gewünscht Zuchtfortschritt bringen. Ein ganz anderes Pferd ist Barcley. Der Baloubet du Rouet-Sohn ist ein sehr selbstbewusstes Pferd mit viel Vermögen. Bei solchen Pferden versuche ich immer eine Respektsebene zwischen Pferd und Reiter herzustellen, dann kann man meist das komplette Potential solcher Pferde erst zu 100 Prozent ausschöpfen. Und bei Caracho, der in meinen Augen von seinem Großvater Quick Star geprägt ist, ist es wieder anders. Seine Reiterin Ebba sagte mir vorab, dass er auf dem Turnier ein unglaublicher Kämpfer sei, doch die tägliche Arbeit zuhause ihm nicht so viel Spaß bereiten würde. Auch solche Pferde gibt es, sie muss man täglich aufs Neue motivieren.“

 

Statt eine Schablone für alle Pferde setzen Sie im Training demnach auf Individualität?

Franke Sloothaak: „Ja, absolut! Man muss immer das ganze Pferd sehen. Wie ist seine körperliche Beschaffenheit und wie ist es vom Kopf her. Die moderne Zucht bringt viele Pferde mit ganz viel Qualität und großen Möglichkeiten hervor. Doch das ist nicht alles. Die Einstellung zum Sport und die Intelligenz machen mindestens genauso viel aus wie das Springvermögen. Und dazu kommt natürlich noch ein weiterer entscheidender Faktor – nämlich die Art und Weise, wie das Pferd in seiner Ausbildung begleitet wird. Wir müssen ihnen die Zeit und die Chance geben, sich zu entwickeln und das Erlernte positiv umzusetzen. Ist das nicht gegeben, nützt auch das größte Potential nichts.“

Das komplette Training können Sie sich kostenlos im Archiv von ClipMyHorse ansehen.