Es gibt kaum eine Branche, die nicht von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen ist. Norbert Boley, Geschäftsführer der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH, erklärt, welche Maßnahmen in Elmshorn bereits getroffen wurden, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, die Versorgung der Pferde zu gewährleisten und den Samenversand aufrechtzuerhalten. Dazu haben wir Norbert Boley direkt befragt:

Wie organisieren Sie derzeit die Arbeitsabläufe der Hengsthaltungs GmbH beziehungsweise sorgen Sie vor, für den Fall, dass einer oder mehrere Mitarbeiter ausfallen sollten?

Norbert Boley: „Wir haben einen vorsorglichen Notfallplan ausgearbeitet, der nun auch schon zum Tragen kommt. Demnach haben wir die Arbeit im Büro und im Stall in zwei Schichten aufgeteilt. Sechs Mitarbeiter im Büro und sieben im Stall übernehmen die erste Schicht von 7 bis 12 Uhr am Vormittag. Nach einer halbstündigen Pause beginnt die zweite Schicht für drei beziehungsweise acht Mitarbeiter in Büro und Stall. So sind wir für den Ernstfall gut gerüstet, um sowohl die Versorgung und das Training unserer Pferde als auch den Samenversand aufrechtzuerhalten. Leider sind wir natürlich gezwungen gewesen, Kurzarbeit einzuleiten.“

Inwieweit schränkt die Ausbreitung des Corona-Virus‘ und die damit verbundenen Maßnahmen die alltäglichen Abläufe der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH ein?

Norbert Boley: „Derzeit sind wir noch in keiner Weise eingeschränkt. Der Samentransport ist nach wie vor gewährleistet. Wir gehen davon aus, dass auch der Versand ins Ausland fortgesetzt werden kann, da der Warenverkehr bisher nicht eingeschränkt ist. Wir stehen diesbezüglich in enger Absprache mit unseren Amtstierärzten.“

Die für April angesetzten Hengstleistungsprüfungen sind seitens der FN abgesagt worden. Was bedeutet das für den Deckeinsatz der Junghengste?

Norbert Boley: „Fakt ist, dass es in diesem Frühjahr keine weiteren Prüfungen mehr geben wird. Die FN hat nun entschieden, dass die dreijährigen Hengste, die noch keine Gelegenheit hatten, ihre Hengstleistungsprüfung zu absolvieren, in diesem Jahr trotzdem zum Deckeinsatz kommen dürfen und die Fohlen dieser Hengste im kommenden Jahr auch den Abstammungsnachweis I bekommen werden. Das gilt auch für unseren fünfjährigen United Way, der verletzungsbeding in diesem Jahr bisher nicht beim Sporttest antreten konnte. Ab sofort stehen die Dreijährigen mit Frischsamen zur Verfügung. Von United Way gibt es vorerst bis zu seiner vollständigen Genesung aber TG-Samen.“

Anstehende Veranstaltungen werden fast ausnahmslos abgesagt. Können Sie schon eine Einschätzung abgeben, wie die Hengsthaltungs GmbH damit umgeht? Speziell mit der traditionellen Junghengstpräsentation am 1. Mai?

Norbert Boley: „Wir blicken optimistisch in die Zukunft und planen die Vorstellung der jungen Hengste wie in den vorangegangenen Jahren auch. Sollte sich die Lage rund um das Corona-Virus bis dahin nicht beruhigt haben, werden wir die Präsentation zwar ohne Publikum vor Ort in der Fritz-Thiedemann-Halle durchführen, sie aber via ClipMyHorse live übertragen beziehungsweise in deren Archiv zur Verfügung stellen, damit unsere Züchter sich trotzdem ein Bild von unseren Hengsten machen können.“